WAS

Der Start des Projekts
Am späten Nachmittag des 1. Advents 2010 wurde in der Evangelisch-reformierten Kirche am Hugenottenplatz in Erlangen im Beisein des bayerischen Staatsministers des Inneren, Joachim Herrmann sowie weiterer Personen des öffentlichen Lebens, das Projekt „MUTWERK – COURAGE erLANGEN“ auf den Weg gebracht.

Der bayerische Staatsminister Joachim Herrmann hatte sich sogleich bereit erklärt, die Schirmherrschaft über das Erlanger Zivilcourage-Projekt zu übernehmen. In seiner Ansprache betonte unser Innenminister, dass Sicherheit nicht nur eine Aufgabe der Polizei und der Justiz sei, sondern auch jeweils abhängig ist von der Zivilcourage engagierter Bürgerinnen und Bürger.

Warum ist das Projekt „Mutwerk“ in Erlangen überhaupt entstanden: Wie viele andere Menschen in diesem Land war auch ich geschockt über die
Ereignisse in München-Solln und den tragischen Tod von Dominik Brunner. Kurz zuvor hatte es eine Attacke in der U-Bahn in München gegen einen
pensionierten Schulleiter gegeben. Auch in Hamburg und anderen Städten wurden solche Vorfälle bekannt. Aber was hat das mit Erlangen zu tun? Wir leben in einer relativ sicheren Stadt, das belegen die polizeilichen Statistiken. Und dennoch kommt es auch in unserer Stadt immer wieder vor, dass Menschen angepöbelt oder Opfer von Gewalt werden. Ich selbst bin Zeuge solcher Vorfälle gewesen.

Daher wünschen wir uns vom Mutwerk-Trägerkreis, dem inzwischen neben der Polizei Erlangen, dem Theater Erlangen und seinem Förderverein, dem Seniorenbeirat der Stadt Erlangen und die Theaterwissenschaften der Universität Erlangen-Nürnberg und auch das bayerische Rote Kreuz und
der Weiße Ring angehören, in unserer Stadt eine Kultur des Hinschauens und nicht Wegschauens. Unser gemeinsames Ziel ist die Sensibilisierung
unserer Bürgerinnen und Bürger zu mehr Zivilcourage und Verantwortlichkeit. Zivilcourage muss ein lebendiges und hoch geschätztes Gut im Miteinander einer Gesellschaft sein oder erst noch werden. Mit unserem Projekt „Mutwerk“ möchten wir zivilcouragiertes Handeln fördern und Menschen ermutigen, in Krisensituationen zu handeln und nicht wegzuschauen, sondern beherzt – aber unter Berücksichtigung der eigenen Grenzen – einzugreifen und den in Bedrängnis geratenen Menschen zu helfen und ihnen beizustehen.

Mutwerk versteht sich als ein generationsübergreifendes Projekt. Wir wissen um die Ängste älterer Menschen, abends mit dem Bus zu fahren oder
bestimmte Orte in unserer Stadt aufzusuchen. Das Angebot für ein Training in solchen Situationen, was man als Einzelner machen kann, wird eine
unserer weiteren Aufgaben sein. Erschüttert hat mich die Tatsache, dass viele der 600 Antwortenden, die unseren Fragebogen bearbeitet haben,
was sie persönlich mit Zivilcourage verbinden, auf das Thema „Mobbing“ verwiesen haben. Mobbing ist ein ganz wichtiges Thema in dieser Stadt und
für diese Stadt, in der wir leben. Mobbing geschieht in der Schule unter Kindern und Jugendlichen, Mobbing geschieht auch unter Erwachsenen,
etwa am Arbeitsplatz. Das Mobbing ist eine ganz subtile Form der Gewalt.

Wir möchten die Erlangerinnen und Erlanger ermutigen, Vorkämpferinnen und Vorkämpfer gegen jede Form und Art von Mobbing zu werden und dagegen aufzustehen.

Wir wünschen uns eine Stadt, in der alle Menschen leben, bestehen und atmen können. Wir möchten mit „Mutwerk“ der Frage nachspüren, die Gott
am Anfang der Bibel dem Kain gestellt hatte, als er soeben seinen Bruder Abel umgebracht hatte: „Kain, wo ist dein Bruder Abel?“ Wir tragen alle Verantwortung füreinander.

Wir sind, egal in welchem Alter, füreinander verantwortlich. „Mutwerk“ braucht Menschenhüter in Erlangen.

Pfarrer Johannes Mann
von der Evangelisch-reformierten Hugenottenkirche in Erlangen

(Herbst-Zeitlose 1/2011)